
- In der Loipe

- Großes Abschlussfeuerwerk

- Schnelle Rennen in der VELTINS-Arena auf Schalke

- Spannende Duelle auf Schalke beim Laser-Schießen

- Adriy Deryzemlya wird vor der VELTINS-Arena von den Fans angefeuert

- Rasante Verfolgungsrennen auf der Strecke

- Im Winterdorf kamen auch die Kleinen auf ihre Kosten
Rund 200 m lang ist die Loipe hier – zwischen Winterdorf und Stadion. Vorbei an jubelnden, feiernden und anfeuernden Biathlon-Fans. Verfolgt von der Schienenkamera und mit einer kleinen Chance zum Überholen, denn das Schneeband ist hier immerhin fast vier Meter breit. Doch das Beste kommt noch: Nach einer scharfen Rechtskurve geht es hinein in einen fast 100 m langen Tunnel. Plötzlich Stille. Bunte „Dunkelheit“ - der Tunnel ist mit farbigen Spots ausgeleuchtet. Je näher man sich dem Tunnelausgang mit kräftigen Schüben nähert, umso anschwellender wird die Geräuschkulisse. Und dann geht es hinein in die größte Biathlon-Arena Deutschlands, vielleicht auch weltweit.
50.000 Biathlon-Fans empfangen Dich mit einem ohrenbetäubenden Lärm . Du läufst zunächst wie gegen eine Wand, wirst dann auf einer Euphorie-Welle getragen. Drehst die Schleife durchs Stadion und kommst zum Schießstand. Gewehr in die Hand, laden und entsichern. Anlegen. Plötzlich ist es mucksmäuschenstill. 50.000 Biathlon-Fans halten den Atem an. Jeder Schuss wird ein Gemeinschaftserlebnis. Jeder Treffer ein kollektiver Erfolg, jeder Fehler eine 50.000fache Enttäuschung. So nah dran bist Du nirgends. So nah dran sind die Zuschauer nirgendwo. Wer das hier übersteht, das Gewehr ruhig hält – und trifft. Der ist fit für jeden Schießstand im Biathlon-Weltcup, bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen.
„Man kann sich hier viel Selbstvertrauen am Schießstand holen“, ist die Erfahrung von Andrea Henkel. „Aber es kann natürlich auch das Gegenteil bewirken.“
Bereits zum zehnten Mal werden sich die Weltklasse-Biathleten bei der odlo-Biathlon-WTC im kommenden Dezember dieser Herausforderung stellen – nicht irgendwo in den Biathlon-Hochburgen von Skandinavien, Sibirien, der Alpen oder in Thüringen, sondern in einem der größten Ballungsräume Europas. Mitten im Ruhrpott, der sich zur Metropole Ruhr gewandelt hat – oder zumindest kräftig daran arbeitet. In der Veltins-Arena auf Schalke – dort wo normalerweise die Fußballer des FC Schalke 04 ihre Heimspiele in Bundesliga und Europapokal austragen. In einem Stadion, das dank der beeindruckenden Multifunktionalität innerhalb von wenigen Tagen zum Eishockey-Stadion, zur Handball-Halle oder zum Konzert-Saal und eben auch zur Biathlon-Arena werden kann.
Die Idee zu diesem größten Biathlon-Event weltweit kommt von Herbert Fritzenwenger und wurde zunächst in Ruhpolding umgesetzt. Die TV-Anstalten waren auf der Suche nach einem kurzweiligen Fernseh-Format, das „zwischen den Jahren“ umgesetzt werden konnte. Und der ehemalige Biathlet und Langläufer (u.a. WM-Silber mit der Mannschaft 1989) erfand den Mixed-Staffel-Wettbewerb als inoffizielle Mannschafts-Weltmeisterschaft. Bis zu 5.000 Fans vor Ort und zwei Millionen TV-Zuschauer verfolgten in den 90er Jahren dieses Einladungsrennen.
2001 dann war Herbert Fritzenwenger zu Besuch in Bottrop, um sich dort die neu entstandene Skihalle auf einer ehemaligen Abraumhalde des Steinkohle-Bergbaus anzuschauen. Was er vor Ort sah, war beeindruckend. Viel beeindruckender aber war für ihn die ein paar Kilometer Luftlinie entfernt liegende Schalke-Arena, die gerade fertig gestellt wurde. Seine Überlegung: Dort müsste zukünftig die Biathlon-WTC stattfinden. Eine verrückte Idee, die zunächst vor allem auf Skepsis stieß. Auch beim damaligen Schalke-Manager Rudi Assauer, der sich aber schnell begeistern ließ und seinem Team den Auftrag zur Umsetzung gab.
Die Premiere am 28. Dezember 2002 auf Schalke war in jeder Weise ein Erfolg: 35.000 Biathlon-Fans in der ausverkauften Veltins-Arena – wg. des Schießstandes wurden zunächst fast 20.000 Plätze aus Sicherheitsgründen gesperrt – und in der Spitze deutlich über fünf Mio. TV-Zuschauer bewiesen ein überragendes Interesse. Und das war berechtigt, denn ein spannender und hochklassiger Wettkampf sowie ein abwechselungsreiches Rahmenprogramm gepaart mit einem urigen Winterdorf von morgens 11 Uhr bis abends 20 Uhr waren genau die richtige Mischung.
Die Schalke-Arena bebte, als Martina Beck und Michael Greis als Premierensieger vor Albina/Victor Maigourov (RUS) und Sanna-Leena Perunka/Vesa Hietalahti (FIN) feststanden.
In den Folgejahren wurde am Konzept gefeilt und das Ambiente optimiert: Sollte am Anfang noch Rindenmulch den nackten Betonboden in der Veltins-Arena verdecken, der allerdings durch das Schmelzwasser schnell patschig und im TV-Bild unschön wirkte, vermittelt längst ein auf hunderte Euro-Paletten aufgebrachter weißer Teppich den Eindruck einer schneebedeckten Winterlandschaft – vervollständigt durch hunderte Tannenbäume aus dem nahegelegenen Sauerland. Und um die Zuschauerkapazität auf über 50.000 zu erhöhen, wird der Schießstand mittlerweile durch schusssicheres Glas abgegrenzt.
Auch Experimente mit verschiedenen Schneelieferanten wurden gewagt. Das führte in einem Jahr dazu, dass im Arena-Innenraum bereits der Startschuss erfolgte, als draußen gerade noch rechtzeitig die letzten Meter Loipe geschlossen wurden.
Mittlerweile hat sich eine gut funktionierende Partnerschaft zwischen den Betreibern der Veltins-Arena und der Skihalle Neuss entwickelt, so dass auf der rund 1,2 km langen Loipe immer beste Bedingungen für die Biathleten herrschen.
Für die Sportler wurde es auch anspruchsvoller – und für die Zuschauer damit noch einmal spannender: Das Rennen besteht nunmehr aus zwei Halbzeiten: Massenstart in der ersten und Verfolgungsrennen in der zweiten Hälfte. Da haben dann auch noch zunächst hinten liegende Paare später eine Chance auf eine Treppchen-Platzierung. Wie zum Beispiel Andrea Henkel und Michi Greiss bei der vergangenen odlo-Biathlon-WTC, die die erste Halbzeit auf den hinteren Rängen beendeten und sich dann nach der Pause noch den dritten Platz erkämpften.
„Es ist spannend, den eigenen Sport in einem vollen Fußballstadion zu betreiben“, begründet Andrea Henkel, warum sie schon zum fünften Mal an der Biathlon-WTC auf Schalke teilnahm. „Man ist so nah an den Zuschauern wie sonst nirgends. Die Stimmung ist riesig, da tobt richtig der Bär. Wenn man ins Stadion kommt, läuft einem ein richtiger Schauer den Rücken herunter. Und der ist umso größer, je weiter man selbst oder ein anderer Deutscher vorne liegt. Da sind die Fußballer zu beneiden, sie haben das jede Woche.“
Solche Schauer über den Rücken hatte Andrea Henkel jedoch nicht – wie sonst üblich – im Dezember, sondern im vergangenen März. Die neunte Auflage der Biathlon-WTC sollte eigentlich am 30. Dezember stattfinden. Zuviel Schnee – auch das gibt´s – verhinderte allerdings die Austragung zum geplanten Datum auf unschöne Weise. 60 cm Neuschnee innerhalb eines Tages brachte das Dach der Veltins-Arena teilweise zum Einsturz. Sieben Bahnen der transparenten Dachhaut rissen über Weihnachten, so dass die bereits zum Biathlon-Stadion mutierte Arena für Zuschauer gesperrt werden musste.
Nachgeholt wurde die odlo-Biathlon-WTC am 27. März – eine Woche nach dem Finale des Weltcups in Oslo und mit nahezu der kompletten Weltelite am Start. Natürlich mit dem erfolgreichsten Biathleten aller Zeiten, Ole Einar Björndalen, zusammen mit Tora Berger (Norwegen). Ebenfalls aus Norwegen kam mit Tarjei Boe der Shooting-Star der vergangenen Biathlon-Saison (u.a. 3 x WM-Gold und Gesamtweltcup-Sieger). Als Titelverteidiger trat der Österreicher Christoph Sumann an – diesmal mit Kaisa Mäkäräinen, die als Gesamtweltcup-Siegerin und erste finnische Weltmeisterin anreiste.
Als Gewinner der neunten Auflage der odlo-Biathlon-WTC aber liefen die russischen Olympiasieger Svetlana Sleptsova/Evgeny Ustyugov durchs Ziel, die sich damit nicht nur die Siegprämie in Höhe von 28.000 Euro sicherten, sondern ebenso als Siegerpreis ein VW Golf Cabrio. Nach sehr spannendem Rennverlauf musste sich das beste deutsche Paar Kahrin Hitzer/Florian Graf nur knapp geschlagen geben.
Trotz frühlingshafter Temperaturen nach einem langen Winter und des ungünstigen Sonntagtermins waren 34.000 Zuschauer vor Ort und die zweistündige ZDF-Live-Übertragung schaffte einen Marktanteil von mehr als 15 % und war damit Tagessieger.
Für Herbert Fritzenwenger ist und bleibt die Biathlon-WTC einzigartig: „ Es ist die unvergleichliche Atmosphäre, die die 50.000 Zuschauer im Ambiente eines Fußballstadions schaffen. Und hinter den Kulissen die organisatorische Leistung, diese Veranstaltung in der Veltins-Arena zu realisieren.“
Kein Wunder, dass sich Christoph Sumann, der in 2009 zusammen mit Kati Wilhelm die odlo-Biathlon-WTC gewann, besonders freute und die Stimmung in vollen Zügen genoss: „Ich bin wohl der erste Österreicher, der in einem deutschen Fußballstadion bejubelt wird!“
Für Kati Wilhelm selbst war es ein gelungener Abschluss ihrer ohnehin einzigarten Karriere: „Es ist ein wahnsinniges Gefühl, hier auf Schalke zu gewinnen Achtmal habe ich Anlauf genommen. Jedes Mal war es schön, aber das setzt dem Ganzen die Krone auf.“
Ganz klar, dass darum längst die Planungen für die zehnte Auflage der odlo-Biathlon-WTC als Jubiläumsveranstaltung auf Schalke laufen. Vorverkaufsstart soll wegen der vielen Anfragen bereits im Juli sein.













