Herbert Fritzenwenger ist seit der ersten Stunde bei der Biathlon World Team Challenge auf Schalke dabei.  Uns interessierte seine Expertenmeinung und wir durften ihm einige Fragen zu Vergangenheit, Zukunft und einer spannenden WTC 2014 stellen.

Herr Fritzenwenger, bei der Biathlon-WTC 2014 konnten sich Valentina Semerenko und Sergei Semenov gegen die Konkurrenz durchsetzen. War die starke Form der Ukrainer zu erwarten?
Das habe ich schon während der Pressekonferenz am 22. Dezember geäußert. Die Beiden sind extrem starke Schützen und zählten daher zu den Topfavoriten.

Das Rennen war das schnellste der 13-jährigen WTC-Geschichte. Wie haben Sie es persönlich erlebt?
Das Rennen war geprägt von einem sehr hohen Tempo, schon von der ersten Runde an. Die äußeren Verhältnisse waren nach dem Schneefall nicht so gut wie es die Zeit widerspiegelt. Umso höher ist die Zeit der ersten Teams zu bewerten. Als Kommentator im Stadion bin ich stets so konzentriert, dass ich das Rennen gar nicht so genießen konnte. Das habe ich erst im Nachhinein in der Mediathek des ZDF genießen können.

In diesem Jahr haben Sie gemeinsam mit Magdalena Neuner das Rennen kommentiert. Wie hat sie sich in ihrer neuen Rolle geschlagen?
Magdalena hat nicht nur in sportlicher Hinsicht Talent, auch in dieser Rolle hat sie sich sehr gut geschlagen. Man muss bedenken, dass sie keine Möglichkeit hatte dies vorher vor so großartiger Kulisse zu proben.

Wie beurteilen Sie das diesjährige Abschneiden der deutschen Teams? Welche Rolle werden die deutschen Biathleten in der Zukunft spielen?
Der 2. Platz von Hildebrand/Lesser ist ein super Ergebnis. Viel hat nicht gefehlt und sie hätten gewonnen. Letztlich hatten die Titelverteidiger durch einen Sturz von Laura Dahlmeier vor dem letzten Schießen ihre Ambitionen unfreiwillig aufgeben müssen. Das Gewehr von Laura hatte sich verstellt und damit war Treffen mehr Zufall als Absicht. Nicht auszudenken was möglich gewesen wäre.
Der Biathlonsport in Deutschland lebt, vielleicht sogar interessanter als zuvor. Zwar haben wir im Augenblick keine/n Seriensieger bei den Damen und Herren aber enorm starke Teams in der Breite. Mittelfristig wird Deutschland daher weiter eine sehr große Rolle im internationalen Vergleich spielen.

Auch die Junioren dürfen sich in der VELTINS-Arena regelmäßig vor großem Publikum präsentieren. Wie beurteilen Sie das Ergebnis bei der German Team Challenge? Auf welche Talente sollten wir in den kommenden Monaten und Jahren besonders achten?
Bei den Junioren sind eigentlich alle Teilnehmer der GTC zu beachten. Alle sind in der Lage sich später international zu etablieren. Da sich in diesem Altersbereich die Athleten oft noch stark aber leider auch oft weniger stark weiterentwickeln können, ist eine Prognose sehr schwierig. Daher möchte ich mich hier nicht festlegen.

Nicht nur der Sport, sondern auch die Unterhaltung hat beim Biathlon auf Schalke einen hohen Stellenwert. Die Schneeballschlacht-WM feierte beispielsweise 2014 ihre Premiere. Wie haben Ihnen die Finalspiele in der VELTINS-Arena gefallen?

Natürlich gehört zur WTC auch ein Rahmenprogramm. Das Finale der Schneeballschlacht-WM könnte durchaus wieder im Stadion stattfinden, müsste aber TV-technisch besser in Szene gesetzt werden. Das Spiel um Platz 3 sollte im Vorfeld im Winterdorf gespielt werden, um auch dort ein „Highlight“ anbieten zu können.

Eine letzte Frage: Seit 13 Jahren gibt es den Biathlon auf Schalke. Was war Ihr persönliches Highlight der WTC-Geschichte?

Zweifelsfrei die Vorstellung des Konzeptes beim damaligen Manager Rudi Assauer. Unvergessen bleibt mir, dass er schon nach 10 Minuten zu mir gesagt hat „Das ist so verrückt, dass es schon wieder geil ist. Das machen wir!“