Die Saison der Biathleten ist lang und anstrengend, heute geht sie nach einer kurzen Pause in Oberhof weiter. Martin Fourcade (26), der amtierende „König des Biathlon“, musste auf Kekse, Kuchen und gemeinsame Zeit mit seiner Familie an Weihnachten verzichten. Kurz nach den Feiertagen hielt er Hof in der VELTINS-Arena. Christopher Kremer von den Ruhr Nachrichten sprach nach dem Rennen mit dem zweifachen Olympiasieger über die Atmosphäre auf Schalke, seine Motivation und Ruhepausen abseits des Biathlon.

Wie ist es für Sie, wenn mehr als 40.000 Zuschauer das Stadion zum Kochen bringen?
Es ist eine wunderbare Veranstaltung. Wir als Biathleten sind es gewohnt in größeren Stadien zu laufen, wie in Ruhpolding, Antholz oder Oberhof. Aber das hier, vor 40.000 Zuschauern, ist etwas ganz Besonderes. Ich mag es, das ist auch der Grund, hier an den Start zu gehen. Ich liebe auch die besondere Art des Rennens hier.

Wie haben Sie Ihre Weihnachtsfeiertage verbracht? Waren Sie friedlich, weil Sie im internen Familienduell vor Ihrem Bruder Simon liegen?
(lacht) Nein das ist alles kein Problem, wir sind erwachsen genug eine Grenze zu ziehen zwischen der Familie und dem Sport. Ich habe ihn nicht gesehen an Weihnachten, da ich mich entschieden habe, mich auf die kommenden Rennen vorzubereiten. Auch in Oberhof möchte ich in guter Form sein. Es war nicht einfach für mich, an Weihnachten nicht zu meinen Eltern zurückzukehren. Aber das ist halt Teil meines Jobs und ich werde sie später sehen.

Wie verrückt muss ein Biathlet sein, um diese Saison mit den vielen Rennen und dem vielen Stress durchzustehen?
(lacht) Man muss wirklich ein bisschen verrückt sein. Das ist nicht einfach für ein Familienleben oder auch für den Körper. Ich spreche viel mit meinen Bruder, wir müssen einfach clever sein und das alles im Sommer nachholen. Aber wenn wir langfristig erfolgreich sein wollen, müssen wir das so durchziehen.

Die meisten Biathlon-Fans liegen im Sommer am Strand und entspannen. Wie sehen dagegen Ihre Sommerferien aus?
Ich liebe es, an einem warmen Ort zu sein und da zu entspannen, gerne auch auf einer Insel. Da habe ich dann auch mit Skiern nichts mehr zu tun, sondern gehe zum Beispiel gerne tauchen.

Haben Sie einen speziellen Trick, um von dem ganzen Stress abzuschalten?
Jedes Mal, wenn ich ein Flugzeug betrete und eine längere Zeit zu einem Traum-Ziel fliege, weiß ich: Jetzt kann ich abschalten, jetzt schalte ich alle Biathlon-Gedanken ab. Dann fliege ich weit weg und denke nur noch über mich nach, dann entspanne ich nur noch.

Sie haben knapp jedes fünfte Rennen im Profibiathlon gewonnen. Wie schaffen Sie es, sich dauerhaft zu motivieren?
Ich denke, ich bin da ein bisschen wie ein kleines Kind. Ich liebe einfach jede Art des Wettkampfs. Das ist das Geheimnis. Wenn ich in einem Wettkampf bin, dann gebe ich mein Bestes. Ich will mit mir selbst zufrieden sein. Ich mag es nicht, zu verlieren.

Wie hoch ist der Stellenwert von Biathlon in Frankreich?
Ich will nicht lügen, das ist nicht das gleiche wie in Deutschland. Aber man hat gesehen, dass Biathlon immer populärer wird. Vor allem die Olympischen Spiele in Sotschi haben dafür gesorgt, das Biathlon größer wird. Wir als französisches Team zeigen, dass man trotz begrenzter finanzieller Möglichkeiten wunderbare Sachen anstellen kann.

Was war Ihr bisher größtes Highlight in Ihrer Karriere?
Bis jetzt auf jeden Fall die Olympischen Spiele in Sotschi. Einfach schön, als Athlet an den Spielen teilzunehmen.

Das Rennen zwischen Ihnen und Emil-Hegle Svendsen ist sehr eng. Ist das ein Kampf, der Spaß macht?
Ja das ist wirklich ein guter und fairer Kampf. Ich kann diesen Wettbewerb zwischen uns genießen, das macht Spaß. Ich bin froh, dass ich in ihm einen Gegner auf Augenhöhe gefunden habe. Im Weltcup liege ich jetzt knapp vorne. Das versuche ich so lange wie möglich zu verteidigen.

Das Interview führte Christopher Kremer, Ruhr Nachrichten.